„Geraspelte“ Ortspolitik    

(Michael Kogler)
Im Jahr 1975 wurde vom Ortsvereinsvorstand beim Betrachten der “schwarzen” Presselandschaft (insbes. Ludwigsburger Kreiszeitung) überlegt, ein Gegengewicht herzustellen. Einigkeit bestand, dass zur politischen Aussagen nicht das Gemeindeblatt missbraucht werden sollte. Konzeptionelle Grundlage war das 1974 vom damaligen Schriftführer Gerhard Stahl eingeführte „Mitglieder-Info“. Schwierig war die Namensfindung im Vorstand: Von “Der Hemminger” bis zum “Roten Hammer” reichten die Ideen. Die “RASPEL” war dann das richtige Werkzeug, denn die Späne sollten fein sein und exakt arbeiten lässt sich damit bekanntlich auch…

Die ersten Ausgaben erschienen 1975 noch begrenzt für Mitglieder und weitere Interessierte. Die ersten Ausgaben für alle Bürger, die Redaktion hatte Roland Lampart, beschäftigten sich mit der Bundespolitik; das Thema „Jugendhaus“, ein späterer Dauerbrenner, findet sich bereits in der Ausgabe 6/76. Einige Zeit “RASPEL”ten auch Hemminger und Schwieberdinger Sozialdemokraten gemeinsam. Die Redaktion wechselte dann zu Gerhard Büttner und Birgit Jahnke. Mit Ihnen wurde die Qualität stetig verbessert und das Format von A5 auf A4, gedruckt auf Umweltpapier, umgestellt. Ein Höhepunkt des Blattes war im Jahr 1980 der erfolglose Versuch einzelner “Beleidigter” die Zeitung per Staatsanwalt mundtot zu machen. Der Begriff: “Selbstbedienungsladen”, der im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe an die vielen Selbständigen im Gemeinderat benutzt wurde, gefiel – wie zu erwarten war – nicht.

Danach wechselte die Redaktion zu Michael Kogler, zeitweise zu Dr. Walter Zimmermann, Wolfgang Stehmer, Stefan Andreas und Alfred Nicklaus. Es hielt auch die elektrische Speicherschreibmaschine Einzug, die allerdings immer noch keine Überschriften produzieren konnte. Immer mehr entwickelte sich die “RASPEL” zu dem kommunalen Informationsblatt, das es heute ist. Wiederkehrende Themen waren der Schlossumbau, die Umwelt in und um Hemmingen, die Ortsdurchfahrt, die SPD-Gemeinderatsarbeit, die Nordtangente, der Öffentliche Nahverkehr und die 2. Sporthalle.

Seit 1983 wird bei der Druckerei Grill in Hemmingen die Zeitschrift in sehr guter Qualität und immer pünktlich hergestellt. Die Redaktion liegt wieder bei Wolfgang Stehmer und Michael Kogler. Inzwischen werden die Vorlagen auf dem PC erstellt, die “RASPEL” hat fast professionellen Charakter. Was sie aber bleiben soll, ist ein stellungbeziehendes in-formierendes, durch die Herzen der Artikelschreiber bestimmtes Blatt.

Das führt zum einen dazu, dass auch die politische Konkurrenz die RASPEL fast hinter dem Briefkasten stehend „erwartet“, zum anderen dazu, dass es hin und wieder zu heftigen Auseinandersetzungen im Gemeinderat über die politischen Aussagen und über das Gemeindeblatt (unzulässigerweise) zu Reaktionen kommt. Ein kleiner Höhepunkt war hierbei die juristische Auseinandersetzung mit einem örtlichen Gewerbetreibenden im Zusammenhang mit einer Straftat mit rechtsradikalem Hintergrund.

Mit Blick auf die reduzierten finanziellen Möglichkeiten wurde das klassische vierseitige Format um ein zweiseitiges Produkt ergänzt. Es kommt insbesondere im Wahlkampf oder  in finanziell „mageren“ Zeiten zum Einsatz.

Eine Aufwertung der RASPEL erfuhr diese durch die Entscheidung des Ortsvereinsvorstandes zukünftig programmatische Aussagen, wie kommunale Wahlprogramme auch über dieses Format zu transportieren.

Neu ist die Internetausgabe, die das Ziel hat, auch jüngere Leserschichten zu erschließen. Es ist Konzept, dass hier nicht nur das Printmedium abgebildet wird, sondern aktuell informiert werden soll. Hierzu werden die aktuellen Statements aus dem Gemeindeblatt, Pressemittelungen des Vorstands und persönliche Verlautbarungen der Mandatsträger der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Start dieses Mediums gelang unabsichtlich provokant und medienträchtig. Im Rahmen der letzten Bürgermeisterwahl im Jahr 2001 wurde durch ein redaktionelles Versehen ein unautorisierter Artikel von Michael Kogler frei geschaltet, der wegen fehlender Wahlalternativen Verona Feldbusch als Wahlsynonym für die Wählerverärgerung vorschlug. Obwohl der Fehler nach wenigen Stunden bemerkt wurde, geisterten die Meldung, die Reaktionen und Gegenreaktionen durch die regionalen Printmedien. Sie gipfelten in dem Zitat des Bürgermeisters Herrn Nafz, dass er seit 25 Jahren verfolgt würde. Aber dass ist dann doch der Ehre zuviel. Dieses Ereignis bescherte der InternetRASPEL aber außerordentliche Zugriffszahlen.  

Das anvisierte Ziel der aktuellen Information stößt aber an die Leistungsgrenzen der ehrenamtlichen Mitarbeiter und es bleibt unklar, ob es derzeit schon das Interesse der BürgerInnen trifft. Daher wird dieses derzeit weiterentwickelt und mit dem Internetangebot der SPD Hemmingen verzahnt.

Durch die politischen Entwicklungen standen nun zur Mitarbeit bei der RASPEL-Produktfamilie zwei Prominente zur Verfügung: Wolfgang Stehmer, Vorsitzender der Kreis-SPD und Mitglied des Regional- und Landesparlaments und Elke Kogler, Kreisrätin und  stv. Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Kreistag. Aktuell haben sie diese Funktionen nicht mehr – konzentrieren sich nun auf die kommunalpolitischen Themen.

Die Gemeindepolitik der letzten Jahre ist im Wesentlichen durch Stagnation bestimmt. Daran hat auch ein neuer Bürgermeister nichts geändert. Das reduziert die Ansätze für eine informierende Arbeit und damit auch die Zahl der Ausgaben: Immer gebetsmühlenhaft zu schreiben, dass nichts geht, macht weder den Schreibern noch den Lesern Spaß. Trotzdem erschien im Frühjahr 2009 die hundertste Ausgabe. Seitdem schreiben wir insbesondere „Mängelberichte“ über die Gemeindeverwaltung in der Hoffnung, dass sich was ändert. Oder die Wählerinnen und Wähler etwas ändern.

Für den Spaß der Leser und als satirische Spitze hatte die RASPEL als Reaktion hierauf die Figur des „Königs von Hemmingen“ entwickelt, die sich großer Beliebtheit erfreute. Aber dessen Zeiten sind heute zu Zeiten von Facebook vorbei.

Trotzdem bleibt die RASPEL für die Information für die Bürger unverzichtbar. Die „Hofberichterstattung“ über den Bürgermeister und die Gemeinde und die oft verzerrte, Gemeinderäte der bürgerlichen Fraktionen einseitig bevorzugende Berichterstattung der Ludwigsburger Kreis und der Stuttgarter Zeitung machen dies deutlich. Aktuell hat die RASPEL in Form und Inhalt wieder deutlich akzentuiert. Sie konzentriert sich wieder auf Kommunales.

Letzter Höhepunkt war die Berichterstattung, hier auch in der aktuellen Tagespresse die politische Auseinandersetzung über die Gemeinschaftsschule Schwieberdingen – Hemmingen.

Die Bedeutung der RASPEL als Printmedium wird aber wachsen. Durch die neue Geschäftsordnung der Gemeinde kann kaum mehr über Politik der Parteien berichtet werden. Die RASPEL ist dann das einzige kommunale Info-Blatt. Um auch schneller zu werden und einen zusätzlichen Kommunikationsweg zu schaffen gibt es jetzt auch die neue Internetangebote www.dieraspel.de und www.spd-hemmingen.net .

Seit vielen Jahren sorgt Wolfgang Stehmer für das Layout, die Redaktion und viele der Artikel mit kommunalem Bezug. Auch ständiger Gast ist Michael Kogler mit einem Kommentar. Andere, oft Gemeinderäte oder Kandidaten ergänzen mit ihren Meinungen und Zielen. Er trägt auch die Verantwortung für die Inhalte. Hier zeigt sich in der letzten Zeit. Dass ein Meinungspluralismus nicht gewünscht ist. Nach AFD-Manier werden unerwünschte Meinungsäußerungen von CDU z.B. BM Thomas Schäfer und sein Stv. Jürgen Arnold und anderen CDU/FWV Gemeinderäten gerichtlich verfolgt. So auch gerne die RASPEL. Bisher konnte dies abgewehrt werden. Dank guter Recherche oder eindeutiger grundgesetzlich geschützter Meinungsäußerung.

Schwierig wird allerdings der Vertrieb. Um die Hemminger Haushalte zu versorgen ist ein ehrenamtliches Verteilernetz von über 10 Personen erforderlich. Diese zu finden wird immer schwerer. Wir sind gespannt ob wir noch die Ausgabe 150 erreichen werden. Aktueller Stand: 134.