Das Jahr “0” heißt 1947

Die ersten Jahre der Nachkriegszeit waren geprägt von der schmalen Ausstattung an Gütern und einer mit vielen Neubürgern, Hemmingen war auf 1400 Einwohner angewachsen, “engen” Gemeindewelt. Eine rein Landwirtschaftliche Struktur reichte nicht aus und durch das “Zügle”, bald darauf durch die Bus-Linie war eine Arbeitsstelle in den dann nahen Industriegebieten in Zuffenhausen, Neuwirtshaus und Feuerbach möglich. Im Ort wurde langsam eine kommunale Verwaltung aufgebaut: Im Jahr 1946 war eine erste Wahl zum Gemeinderat durchgeführt worden. Vorübergehend (1945-1948) war auch der SPD-Gemeinderat der 30iger Jahre, Hermann Bögi, Bürgermeister. Der Jahresetat der Gemeinde lag gerade mal bei ca. 80 000 Mark (1948). Um auch der großen Zahl an Vertriebenen eine Vertretung zu ermöglichen, wurden landesweit am 07.12.1947 die Gemeinderäte mit konkurrierenden Listen neu gewählt.

Auch daher wurden seit Anfang 1947 wohl Überlegungen angestellt auch in Hemmingen einen SPD-Ortsverein zu gründen. Es war aber noch die Zeit der Einheitsvereine und vor allem auf dem Land war es mutig sich mit Politik und einer lange verfemten Politikrichtung zu beschäftigen. Nach einem wenig dokumentierten ersten Treffen kam es dann am12.07.1947 im Gasthaus “Krone” zum Gründungsbeschluss des Ortsvereins. Der Einfachheit halber wurden die Anwesenden auf einer “Rechnung” festgehalten: Anton Habel, Karl Neubauer, Heinz Kaspar, Wilhelm Kläger, Karl Mannal, Ernst Pukansky, Karl Rapp, Wilhelm Schmid, Julius Schmückle, Franz Sedlacek, Fritz Reinert. Weitere Mitglieder der ersten Stunde waren auch Hermann Bögi, Paul Glaser, Eugen Bäuerle, Gottlob Dobler, Jakob Hartmann, Otto Schmid und Albert Teschenlin.

Die Nachfolgende Gemeinderatswahl war dann auch ein Erfolg: Es wurden mit Wilhelm Kläger, Karl Rapp, Ernst Pukansky und Wilhelm Braun 4 von 12 Sitze “erobert”. Mit Heinrich Rathfelder wurde ein späterer Sozialdemokrat im Jahr 1948 auch hauptamtlicher Bürgermeister. In den folgenden Jahren war die SPD bei den Kommunalwahlen Bestandteil offener Listen  – so entstand z.B. die gemeinsame Liste “Freie Wählervereinigung aller Arbeitnehmer”. Die Hemminger Sozialdemokraten engagierten sich in diesen Jahren aktiv am Aufbau der Gemeinde und in den Vereinen. Sie brachten sich auch in den ihren damaligen Landkreis Leonberg ein, so wurde Wilhelm Kläger auch Mitglied Kreisrat. Allerdings war das kommunale wirken doch begrenzt. Ein Gemeindeblatt gab es nicht und die “Leonberger Kreiszeitung interessierte Den Grenzort Hemmingen nicht intensiv.

Die 60iger Jahre

Das politische Leben intensivierte sich Anfang der 60iger Jahren. Nach dem “Schaffen” wollte man Freizeit und Freiheit und dies bei ersten größeren wirtschaftlichen Rückschlag. Das es da bei der SPD Hemmingen, meist im “Löwen”, dann im “Ochsen” uns später in der “Krone” oft hoch her ging ist belegt. So wurde eine Mitgliedschaft befristet und “ruhend” gestellt, einzelne Mitglieder traten aus.. Einige wichtige Genossen zigen aber auch weg. So nennt eine Liste aus dieser Zeit 21 Mitglieder. Ab 1963 stieg das Interesse an der Politik wieder – damit ging die Bereitschaft sich aktiv zu bekennen einher. Bis 1965 kam es zu einem regelrechten Mitgliederboom: Über 15 Neue konnten begrüßt werden. Mit einher ging ein Generationenwechsel bei den Aktiven: Mit Hans Schultz und Fritz Maier traten zwei spätere Vorsitzende ein. Franz Horwath, Kurt Brandt und Karl Wanja waren auch Mitglieder aus diesem Kreis, die wichtige Aufgaben übernahmen und den Ortsverein gestalteten. Ohne Sie waren das später durchgeführte Waldfest nicht möglich. Sie waren auch Garanten für volle SPD-Gemeinderatslisten. Der Ortsverein kam in dieser Zeit seinen Aufgaben, Mitgliederversammlungen zu organisieren, die Öffentlichkeit durch Veranstaltungen zu informieren und Wahlkämpfe zu organisieren sehr erfolgreich nach.

Auf dem politischen Höhepunkt dieser Jahre spitzte sich die Situation auch in Hemmingen zu: Die “Freien Wähler der Arbeitnehmer” wollten den SPD-Mitgliedern keine attraktiven Listenplätze geben. Es ist Fritz Maier zu verdanken, dass er die “Reisleine” zog und wieder eine echte SPD-Gemeinderatsliste präsentierte. Ihm gelang auch der Einzug in den Rat und blieb über 20 Jahre Mitglied.

Politik wird salonfähig

Die Gesellschaft befand sich in dieser Zeit in einem heftigen Umbruch. Selten davor und danach lagen die Meinungen so weit, so unversöhnlich auseinander. Dies wird auch in der Hemminger SPD deutlich: Nahezu 20 neue Mitglieder (1972) wollten ein neues modernes Gemeinwesen. Der Ortsverein gedieh und hatte die damals vor allem auf der Strasse (Stanaktionen, Autokorso, Hausbesuche, Infoblätter verteilen) seine Wahlauseinandersetzungen zu bestehen. Über viele Jahre wurde dies sehr erfolgreich von Gerhard Stahl gemanagt. Hemmingen war damals auch eine Zeit lang die am schnellsten Wachsende Gemeinde in Deutschland, daran haben auch die SPD-Gemeinderäte mitgewirkt. Das Positive daran: Vielen Stuttgarter Bürgern war es so möglich preiswertes Wohneigentum zu schaffen. Die Grundidee “Vermögen” auch in Arbeiterhand entsprach dem damaligen Traum der Sozialdemokraten einer gerechten Gesellschaft.  Gleichzeitig wurde Hemmingen zum Symbol einer ausgeuferten Bauwut – die Skyline von Kleinmanhatten, wie sie auch innerorts bezeichnet wurde schuf, Gräben, in die dann am Anfang der 80ßiger die “Grünen” sprangen. Aber anfangs profitierte auch die SPD: Die Zahl der Mitglieder bewegte sich auf 100 zu und die meisten Wahlen wurden gewonnen. Mit Heinrich Rathfelder und Werner Fuchs stellten die Hemminger Sozialdemokraten 2 Kreisräte –jetzt im neuen Landkreis Ludwigsburg! Die neuen Mitglieder brachten auch neue politische Ideen und besetzten auch, manchmal in “Kampfabstimmungen” Funktionen. Zum Ärger der Älteren waren hier die Hemminger Jusos meist auch dabei. Den Übergang stabilisiert als Ortsvereinsvorsitzender Lutz Kaltschmidt und einen Aufbruch gestaltete Roland Lampart. Bis zum Ende des Jahrzehnts hatte sich die Situation aber stabilisiert, viele weibliche Mitglieder wurden in die Arbeit integriert und neue Produkte entstanden. Bis heute sind das Waldfest (1973) ist das eines der schönsten Bürgerfeste im Umkreis, ist das Wahlprogramm (1972) der SPD das einzige politische Produkt mit Langzeitwirkung, die “RASPEL” (1975) das einzige nichtkommerzielle politische Infoblatt der Gemeinde. Allerdings konnte nach einem Intensiven Wahlkampf der Burgermeisterposten nicht nochmals durch ein SPD-Mitglied besetzt werden. Bruno Kneisler, später langjähriger Sozialdezernent des Landkreises Ludwigsburg erreichte, gegen das vereinigte “bürgerliche” Lager nur ca. 38% der Stimmen – eine herbe Niederlage für die engagierten SPD-Wahlkämpfer (1978).

Neuorientierung in der Kommunalpolitik, die 80iger Jahre

Die Hemminger Konsolidierungsphase wurde in der SPD insbesondere durch “Familienbanden” geprägt. Als Ehepaare, teilweise mit Kindern traten in den Vordergrund: Lampart, Jahnke, Kogler, Höppner, Bantle. Sie waren der Rückhalt um sich in die neue politische Situation, dass es einen sich weit links der SPD gebenden Wahlneuling, die “Grünen” einzufinden. Rasch gingen sowohl die Wählerstimmen, als auch die Zahl der Mitglieder zurück.. In dieser Zeit bildete der Ortsverein Hemmingen eine eigene Kultur aus: Mehr Freiheit, mehr Gerechtigkeit, mehr Natur. Dies hat viele Mitglieder doch politisch gebunden. Dies lies sich besonders gut in der Kommunalpolitik umsetzen. Die bekannten und langjährigen Gemeinderäte der Sozialdemokraten, wie Werner Fuchs, Fritz Maier, Alfred Rapp und Alfred Jahnke standen im Druck des Ortsvereins. Auch in diesen Jahren bildete sich das Profil der Hemminger SPD weiter aus: Bis heute fortgeführt wurden das “Kommunale Umweltprogramm”(1988), das jährliche Bockbier und Maultaschenfest (1988). Die lebhafte Politik auf Bundes- und Ortsebene hat in den Jahren 1980 bis 1989 zahlreiche Vorsitzende “zerschlissen”: Roland Lampart warf genervt von dem begrenzten schwäbischen Willen zur Veränderung das 1982 Handtuch, Wolfgang Stehmer wurde von seinem Vize nach 3 Jahren “gestürzt”. Dieser, Klaus Bühler ist gemeint, startete stark, Mitglieder und er wollten aber nach zwei Jahren nicht mehr gemeinsam agieren. Mit ihm kam aber auch ein neuer “Schwung von Mitgliedern in den Verein , der sich aktiv an der Politik und Arbeit beteiligte. Die Sozialdemokraten taten sich so schwer mit sich und ihren Vorsitzenden, so dass das Amt niemand mehr ausüben konnte oder wollte. Aus der Not wurde ein Zukunftsmodell geboren: Ein Dreier-Gremium. So leiteten Ulla Frey, Dr. Walter Zimmermann und Michael Kogler für 2 Jahre mit 5 Funktionen den Ortsverein. Gemeinderäte in dieser Zeit waren auch die ersten beiden SPD-Frauen: Angelika Bühler –sie schafft es vom 18.Listenplatz in den Gemeindert und Mechthild Buchmann. Nach der Konsolidierung, im Rahmen einer Wegzugswelle – viele Hemminger wollten nach der Eigentumswohnung ein Haus- war die Zahl der Mitglieder deutlich zurückgegangen und viele Aktive damit auch hatte der Ortsverein wieder einen alten, neuen Vorsitzenden: Wolfgang Stehmer.

Von Hemmingen ins Land, die Dekade vor der Jahrtausendwende

Die erste Aufgabe des neuen Gesamtvorstandes war es, die Hemminger SPD auf den Jahrtausendwechsel auszurichten. Mit der Aktualisierung der vorhandenen Programme und durch das neue ” Kommunale Verkehrsprogramm”(1991), und ein  Bericht über die soziale Situation in Hemmingen (1992)wurde politische Basisarbeit geleistet, aus der auch die anderen Gemeinderatsfraktionen abschreiben und das eine oder andere umsetzen durften. Politisch und inhaltlich gab es einen Geichklang zwischen Fraktion und Ortsverein. Als besonders gelungen werden die Wahlprogramme in den 90iger Jahren bewertet (1994 und 1999). Die Arbeit war so erfolgreich und Kreisweit anerkannt, dass  die Gemeinderätin Elke Kogler als stv. Kreisvorsitzende ihre politische Laufbahn ergänzen und der stv. Fraktionsvorsitzende Wolfgang Stehmer für den Landtag kandidieren konnten. Beide sind auch regelmäßig Vertreter der Kreises bei Regional- und Landesparteitagen. Die Gemeinderatsfraktion selbst erhielt nach und nach ein neues Gesicht. Die langjährige Mitglieder, wie Alfred Rapp schieden aus, zuletzt der “SPD-Stimmenkönig” Werner Fuchs. Dieser erhält als dritter Sozialdemokrat in Hemmingen, nach Heinrich Rathfelder und Wilhelm Kläger das Bundesverdienstkreuz. Die neuen sind: Wolfgang Stehmer, Elke Kogler, Manfred Gutbrod, Eberhard Seidel, Karin Hopfmüller.

Zeitreise: „Auf dem Weg in die Zukunft – die letzten 25 Jahre“

Der neue Stimmenkönig der SPD im Gemeinderat und auch Fraktionsvorsitzender  und stv. Bürgermeister wird Dr. Walter Zimmermann. Der Ortsverein selbst hat kreativ und beispielhaft in den Wahlkämpfen gearbeitet und Kreisweit respektable Ergebnisse erzielt.

Die Tradition der Plakatausstellungen von Herrn Staeck (erstmals 1978) wurde ebenso auf die Strasse gebracht wie eigene Plakate zur Darstellung der misslichen sozialen Geldleistungen. Ein weiterer Höhepunkt war die Veranstaltung “75 Jahre Arbeiterbewegung und 50 Jahre SPD in Hemmingen“ (1997). Erstmals gelang es mal wieder die CDU, zumindest gelegentlich, als größte Wählerpartei abzulösen. Politisch beteiligte sich der Ortsverein intensiv in die jeweiligen Debatten der Zeit. Sei es zur Wirtschafts- oder Ausländerpolitik, von der Asyldebatte bis zur Rentenpolitik. Die Resolution der Hemminger Genossen brachte Reaktionen bis zur Bundesebene. Meist vorbereitet durch ein Vorstandsmitglied ging es “heiß” zur Sache. Neuer Bestandteil im Vereinskalender wurde die herbstliche Kulturveranstaltung der Sozialdemokraten.

Die Arbeit in der Gemeinde wird kontinuierlich, trotz sinkender Mitgliederzahlen fortgesetzt. Alle kommunalen Arbeitsprogramme werden weiterentwickelt und das  “Familienpolitische Programm” (2003) entsteht. Leider verstehen viele die notwendige Politik der Bundesregierung nicht und wenden sich ab. Trotzdem ist Hemmingen ein Musterverein für den Kreis: Es gibt zahlreiche im Ort verankerte Veranstaltungen, aktive Gemeinderäte, eine umfassende und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und ..und. Jetzt trägt diese Arbeit in der Kreis-SPD ihre Früchte. Elke Kogler schreibt das SPD-Kreiswahlprogramm (2004), wird als erste Hemmingerin Kreisrätin (2002) und bleibt es bis 2014; Wolfgang Stehmer, inzwischen SPD-Kreisvorsitzender (2000) wird Regionalrat (2004). An einem Erfolg im Landtagswahlkampf 2002 ist er nur um ganz wenige Stimmen vorbeigeschrammt, trotz einem plus von fast 9%. Er wurde aber mit einem Besuch der Landesvorsitzenden Ute Vogt zum 50igen Geburtstag wenigsten etwas entschädigt. Aber 2006 klappt es dann, etwas wider Erwarten. Hemmingen hat einen Landtagsabgeordneten /2006 bis 2011).  Knapp vorbeigeschrammt ist die SPD auch am 6. Sitz im Gemeinderat. Sie muss einen Sitzverlust beklagen. Die politischen Rahmenbedingungen waren einfach schlecht und das Ausscheiden von Dr. Walter Zimmermann konnte auch durch äßige Wahlkampfelemente werden die Print-RASPEL, die themenspezifischen SonderRASPELN, umfassendes Kommunalwahlprogramm und die stets aktuellen Informationen im Internet.

Geleitet wird der Ortsverein, nachdem Wolfgang Stehmer als SPD-Fraktionsvorsitzender seine Funktion abgegeben hat durch ein neues Dreier-Gremium: Michael Kogler, Eberhard Seidel und Wolfgang Stehmer (2000). Die neueste Errungenschaft ist ein aktiver und stets aktueller Internetauftritt (2002). So soll der neuen virtuellen Welt ein örtliches SPD-Fenster hinzugefügt und die neuen Informationschancen genutzt werden. Die vom Wähler vergebenen Mandate zur Kommunalwahl werden für die SPD-Mandatsträger erfolgreich ausgefüllt. Sie stehen zu ihren Wahlaussagen, die die Bürgerinnen und Bürger nachlesen können. Allerdings nicht mehr im Gemeindeblatt, da dürfen die Parteien nicht mehr veröffentlichen. Elke Kogler ist als stv. SPD-Fraktionsvorsitzende der Kreistagsfraktion und als eine stv. Bürgermeisterin kreisweit und für Hemmingen aktiv. Im Ort arbeiten der Ortsverein und die Fraktion gut zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zusammen.

Dies wird allerdings von der Ratsmehrheit und vom Bürgermeister meist nicht honoriert. Die SPD Vorschläge werden meist ohne Argumente abgelehnt Der aktuelle Höhepunkt:

Die „Freud und Leidkasse“, die offensichtlich missbräuchlich genutzt wurde und von selbständigen Gemeinderäten als Instrument des Vorteilgebens eingesetzt wird.

Dazu gibt es entsprechende Klagen und Anzeigen – Politik absurd.

(In Bearbeitung)